Die Renaissance brachte dann weltverändernde Erkenntnisse auf allen Gebieten,
religiöse Umwälzungen und die Suche nach einem neuen Weltbild.
Der "Narr" galt als Bote des Übergangs zum neuen Menschenbild. Sebastian Brant
(1457 - 1521) gilt als Schöpfer der Narrenidee. Brant war sehr besorgt über den
sündigen Verfall der Welt, obwohl doch "das Land voll der heiligen Schrift war".
1494 wurde sein "Narrenschiff" veröffentlicht, eine lose Folge von Kapiteln mit
Holzschnitten, die sich bald zu einem "Bestseller" entwickelte. Es ging ihm um
die Anprangerung aller menschlicher Schwächen, Laster und Verfehlungen. Er schrieb
als eine Art Morallehre, mit der Absicht die Menschen "zu Nutz und heilsamer Lehr,
Ermahnung und Erfolgung der Weisheit, Vernunft und guter Sitten" zu erziehen.
Seine Narren, das waren die Spieler, Studenten, Gecken, Seiltänzer, Kirchenschänder,
Wucherer und derlei mehr, die sich mit dem Narrenschiff auf´s offene Meer der
Unvollkommenheit und der Zügellosigkeit wagten, und damit ihrer Vernichtung
entgegen gingen.
Typische "närrische" Charakteristika waren für Brant Sorglosigkeit und
Unbekümmertheit, Zwietrachtstiften, Habsucht, schlechte Sitten, Borgen, unnützes
Wünschen, Eigensinn, unfolgsame Kranke. Wolllust, Neid, Hass, Undankbarkeit,
törichtes Tauschen und noch viel mehr.
Brant griff auf das überlieferte Wissen vergangener Jahrhunderte zurück, das
besagt, daß die Weisheit ein Geschenk Gottes ist und "Tumbheit und
Töperhaftigkeit" durch die fehlende Erleuchtung des heiligen Geistes entstehen.
Der Narr im mittelalterlichen Verständnis war als eine geistesblind
dahindämmernde, gottesverachtende Figur dargestellt. Sehr deutlich wird dieses
Bild auch in den Gemälden von Hieronymus Bosch.
Ein ähnlich gottloses Bild meiner frühen Kollegen zeichnete auch Thomas Murner in
seiner "Narrenbeschwörung" (1512), für den die Narren die Zerstörer der
Weltordnung waren.
_
Ergänzung:
Das Narrenschiff gehört zur volkstümlichen Literaturform der Narrengeschichten,
einer satirischen Literatur, die die Belehrung über die menschlichen Schwächen
und die Kritik des Zeitgeistes zum Inhalt hat; ihre Ausdrucksformen sind die
Karikatur und die Übertreibung . Hierzu sind nach Brants Narrenschiff auch das
Lob der Torheit (1509) des Erasmus von Rotterdam, sowie die Schildbürger (1597)
und Till Eulenspiegel (1515) zu nennen. Quelle:
www.wikipedia.de//renaissance, Rev. 3, Zuletzt geändert 2007-04-01 12:03, 538 Aufrufe